Archiv der Kategorie: Aufklärung

Ein Volk der guten Nachbarn?

Wir waren gesegnet mit der Gnade der Geburt in der Nachkriegszeit. Unsere Eltern hatten einen Konsens: Nie wieder Krieg! Und sie hatten eine Zuversicht: Es wird uns besser gehen!

Nun blicke ich auf unsere Kinder und frage mich, wie sie wohl ihre Situation beurteilen. Ob wohl auch sie eines Tages ihre Geburt als Gnade verstehen werden? Der Optimismus, den wir von unseren Eltern empfingen, ist heute schwer auszumachen, schon gar nicht, wenn es um Friedens- und Wohlstandssicherung geht.

Was die Eltern durchgemacht hatten, prägte unser Wertebewusstsein. Auch wenn sich die Politik rasch ihres pazifistischen Schwurs entledigte, in den Köpfen der Menschen blieb er bestehen, und es war das Wichtigste, was sie uns an Erfahrung mitgaben: Krieg ist die schrecklichste Sache, die man sich vorstellen kann.

Albrecht Müller hat auf den NachDenkSeiten über den Wandel dieses Bewusstseins und des daraus resultierenden Handelns in Politik und Gesellschaft geschrieben. Sein Beitrag spricht mir aus der Seele. Bitte unbedingt lesen!

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Vom Absaufen der Wahrheit.

Dialog, Disput und Polemik in unserer Zeit

Hier ist nicht Moskau.
Nicht Despotenfurcht schnürt hier die freie Seele zu.
Hier darf die Wahrheit wandeln mit erhabenem Haupt.

So lässt Friedrich Schiller im Demetrius einen Patrioten schwadronieren. Geschrieben vor über 200 Jahren, doch die Wortwahl und das Prinzip, die Wahrheit für sich zu reklamieren, könnten von heute sein.

Sebastian Herrmann schrieb in der Süddeutschen Zeitung einen Kommentar, der die aktuelle Situation sehr treffend charakterisiert.[1] Es wäre doch wichtig, so sagt er, über die wahnsinnig großen Herausforderungen unserer Zeit eine gesamtgesellschaftliche Diskussion zu führen, den Menschen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu erklären, die sie der Wahrheit näher bringen. Doch dies sei unter der gegenwärtigen Debattenkultur ein Ding der Unmöglichkeit.

… und wer in diesem Klima ein nüchternes Argument in den Raum stellt, über das die Zuhörer auch noch etwas nachdenken müssen, kann gleich stumm bleiben: Im besten Fall hört ihm niemand zu, im schlimmsten Fall fühlt sich jemand auf die Füße getreten und dann regen sich wieder alle auf. Vom Absaufen der Wahrheit. weiterlesen

Freude, schnöder Götzen Funkeln. Klassiker-Stimmen zur Europawahl

Sorgenwolken ziehen auf am politischen Horizont Europas. Es geht um die Wahlbeteiligung bei der Europawahl, die seit 1979 konstant gesunken ist und nun droht, gegen Null zu driften. Höchste Zeit, nach Integrationsfiguren zu suchen, die bereit sind, für ihre Ideale in den Wahlkampf zu ziehen. – Klaus Fürst reist zur Buchmesse nach Leipzig und hat dort Gelegenheit, mit einigen glühenden Europäern zu sprechen.

Ich schlendere durch die Gänge der Ausstellung und sehe mich nach prominenten Autoren um, die ich für meine Pläne gewinnen kann.

Aber da ist ja Friedrich Schiller!
Herr Schiller, seit Sie die Hymne für Europa schrieben, hat sich viel ereignet. Sicher sind Sie glücklich, dass der Traum von einem geeinten Kontinent in greifbare Nähe gerückt ist.

So lange aber der oberste Grundsatz der Staaten von einem empörenden Egoismus zeugt, und solange die Tendenz der Staatsbürger nur auf das physische Wohlsein beschränkt ist, so lange, fürchte ich, wird die politische Regeneration, die man so nahe glaubte, nichts als ein schöner philosophischer Traum bleiben. Freude, schnöder Götzen Funkeln. Klassiker-Stimmen zur Europawahl weiterlesen

„Ende oder Wende“ – neu betrachtet

Erhard Eppler über die Machbarkeit des Notwendigen

In die erste Hälfte der siebziger Jahre fällt eine historische Zäsur, deren Tiefe erst in einigem Abstand sichtbar werden wird. Die Menschheit ist auf Grenzen gestoßen, von denen sie zumindest in den zwei Jahrhunderten zuvor nichts wusste oder wissen wollte.

Mit diesen Worten beginnt das vor vierzig Jahren erschienene Buch „Ende oder Wende. Von der Machbarkeit des Notwendigen“ von Erhard Eppler.[1] „Ende oder Wende“ – neu betrachtet weiterlesen

Futur III und Disperfekt – vermasselte Zukunft durch ignorierte Vergangenheit

Auf breiter Front wird die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft in Frage gestellt. Philosophen, Soziologen, Klimaforscher, Naturwissenschaftler – alle sind sich seit langem einig: so kann es nicht weitergehen. Man hört ihnen zu und – macht weiter.

Was tut ein Autofahrer, wenn er merkt, dass er sich verfahren hat? Er hält an und sucht nach dem richtigen Weg. Doch die Gesellschaft tritt aufs Gaspedal und hofft, doch noch irgendwie ans Ziel zu gelangen. Die erste Frage auf der Suche nach dem Weg wäre doch: Wie soll eigentlich unsere Zukunft aussehen? – In früheren Zeitaltern gab es dazu klare Vorstellungen, die stets in der Zuversicht, zumindest aber in der Hoffnung mündeten: Unseren Kindern soll es mal besser gehen. Heute sind wir von solch einem Optimismus weit entfernt, nicht zuletzt weil unsere Vorstellungswelt beschädigt ist. Futur III und Disperfekt – vermasselte Zukunft durch ignorierte Vergangenheit weiterlesen

Aufklärungsexport – FREIHEIT, gleichheit, brüderlichkeit?

Die jüngsten Bürgerproteste pro und contra PEGIDA, die Auseinandersetzung mit Terror, religiösem Fanatismus und Intoleranz, haben in den letzten Monaten den Ruf nach einer neuen, einer globalen Aufklärung vielstimmig werden lassen. Zwei Fragen treten dabei zutage: haben wir die Ideen der alten Aufklärung überhaupt verwirklicht und, wenn ja, können wir sie in andere Teile der Welt exportieren?

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