Aufklärungsexport – FREIHEIT, gleichheit, brüderlichkeit?

Die jüngsten Bürgerproteste pro und contra PEGIDA, die Auseinandersetzung mit Terror, religiösem Fanatismus und Intoleranz, haben in den letzten Monaten den Ruf nach einer neuen, einer globalen Aufklärung vielstimmig werden lassen. Zwei Fragen treten dabei zutage: haben wir die Ideen der alten Aufklärung überhaupt verwirklicht und, wenn ja, können wir sie in andere Teile der Welt exportieren?

Aufklärungsexport – FREIHEIT, gleichheit, brüderlichkeit? weiterlesen

Werbeanzeigen

Herbert Marcuse und die eindimensionale Gesellschaft

Wir leben und sterben rational und produktiv. Wir wissen, dass Zerstörung der Preis des Fortschritts ist wie der Tod der Preis des Lebens, dass Versagung und Mühe die Vorbedingungen für Genuss und Freude sind, dass die Geschäfte weiter gehen müssen und die Alternativen utopisch sind. Diese Ideologie gehört zum bestehenden Gesellschaftsapparat; sie ist für sein beständiges Funktionieren erforderlich und ein Teil seiner Rationalität. Herbert Marcuse (1964)

Vor genau 50 Jahren erschien “The One-Dimensional Man. Studies in the Ideology of Advanced Industrial Society”. Herbert Marcuse und die eindimensionale Gesellschaft weiterlesen

TTIP – Du willst es doch auch!

TTIP bewegt die Gemüter.  „ Wir werden verraten und verkauft an die Konzerninteressen!“, so hallt es aus allen Lagern. Doch bei der Diskussion über Produktstandards und Schiedsgerichte wird aus den Augen verloren, dass dieses Abkommen zuallererst ein Ziel hat: Wachstum und neue Märkte. Ja, das ist das Argument der Befürworter, und es mag leicht fallen, es als Totschlagargument zu bezeichnen, dennoch läuft alles auf die eine Frage hinaus: Wollt ihr das totale Wachstum? TTIP – Du willst es doch auch! weiterlesen

Ivan Illich und die Selbstbegrenzung

Irgendwann in den kommenden Jahren beabsichtige ich, einen Nachruf auf das industrielle Zeitalter zu schreiben. Ich möchte den Umfang der Mutationen zeigen, die Sprache, Recht Mythen und Riten dieser Epoche beeinflusst haben, in der Massen-Menschen für Massen-Produkte geschult wurden. Ich möchte ein Bild vom Niedergang der industriellen Produktionsweise und von der Metamorphose der durch sie hervorgebrachten Berufe und Dienstleistungen nachzeichnen. Ivan Illich (1973)

Als Ivan Illich dies schrieb, war er 47 Jahre alt und hatte offenbar die Erwartung, das Ende der Industriegesellschaft noch zu erleben. Warum erscheint uns das heute so absurd? Während der Arbeit an seinem Buch „Tools for Conviviality“ stand Illich unter dem Eindruck prägnanter Ereignisse, die auf umwälzende gesellschaftliche Veränderungen hindeuteten. 1972 war der erste Meadows-Bericht an den Club of Rome erschienen, nach dessen Erkenntnissen ein weiteres industrielles Wachstum ausgeschlossen schien. Parallel dazu hatten die Studentenbewegungen in der gesamten westlichen Welt einen umfassenden Moral- und Wertewandel angeschoben, und die damit verbundene Kapitalismuskritik schien unversöhnlich. Heute wissen wir: die 68er haben sich recht schnell mit dem System arrangiert, und die Apokalypse, die der Meadows-Bericht prophezeite, blieb aus. Doch so, wie die „Selbstheilungskräfte“ der Industriegesellschaft zu dieser Zeit unterschätzt wurden, so werden sie heute größtenteils überschätzt. Die Probleme, vor denen die Menschheit steht, lassen Ivan Illichs Gedankengut so aktuell wie nie zuvor erscheinen. il

 Ivan Illich (* 4. September 1926 in Wien; † 2. Dezember 2002 in Bremen) war ein österreichisch-amerikanischer Autor, Philosoph, Theologe und katholischer Priester. Nach seiner Priesterweihe war Illich im Vatikan tätig. 1960 gründete er das Südamerika-Institut Centro Intercultural de Documentación in Cuernavaca, Mexiko. Wegen seiner radikalen Ansichten fiel er bei der katholischen Kirche in Ungnade. Nach einem Konflikt mit dem Papst legte Illich seine Priesterschaft nieder.

Illich gehörte – gemeinsam mit André Gorz, Jochen Steffen und Ernst Ulrich von Weizsäcker – zum Beraterkreis des damaligen Magazins Technologie und Politik und war Gastprofessor in Kassel, Marburg, Oldenburg und in Bremen.
(Quelle: Wikipedia)

Die deutsche Ausgabe von „Tools for Conviviality“ erschien 1974 bei Rowohlt unter dem Titel „Selbstbegrenzung. Eine politische Kritik der Technik“ [i]. Nach den Worten des Autors ist es der Versuch, das Konzept eines „multidimensionalen Gleichgewichts des menschlichen Lebens“ zu entwerfen. Um dieses Gleichgewicht zu erhalten, dürfen gewisse Schwellen und Schranken nicht überschritten werden. Ivan Illich und die Selbstbegrenzung weiterlesen