Schlagwort-Archive: Dialog

Wer erzählt Wem die Visionen?

Auf Blog Postwachstum erschien ein Beitrag von Astrid Glaesel unter dem Titel „Visionen erzählen und Utopien leben“[i].  Die Autorin geht besonders auf die fehlenden Visionen bei der politischen Linken ein und stellt fest: „Es gibt sie, die Visionen. Sie müssen nur erzählt, diskutiert und vor allem gelebt werden.“ Der Beitrag strahlt Begeisterung aus, Engagement für eine Debatte, der sich unsere Gesellschaft stellen muss. Allerdings wird eine konkrete Frage nicht gestellt: Wer erzählt die Visionen, und wem werden sie wie erzählt? Wer erzählt Wem die Visionen? weiterlesen

Advertisements

Vom Absaufen der Wahrheit.

Dialog, Disput und Polemik in unserer Zeit

Hier ist nicht Moskau.
Nicht Despotenfurcht schnürt hier die freie Seele zu.
Hier darf die Wahrheit wandeln mit erhabenem Haupt.

So lässt Friedrich Schiller im Demetrius einen Patrioten schwadronieren. Geschrieben vor über 200 Jahren, doch die Wortwahl und das Prinzip, die Wahrheit für sich zu reklamieren, könnten von heute sein.

Sebastian Herrmann schrieb in der Süddeutschen Zeitung einen Kommentar, der die aktuelle Situation sehr treffend charakterisiert.[1] Es wäre doch wichtig, so sagt er, über die wahnsinnig großen Herausforderungen unserer Zeit eine gesamtgesellschaftliche Diskussion zu führen, den Menschen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu erklären, die sie der Wahrheit näher bringen. Doch dies sei unter der gegenwärtigen Debattenkultur ein Ding der Unmöglichkeit.

… und wer in diesem Klima ein nüchternes Argument in den Raum stellt, über das die Zuhörer auch noch etwas nachdenken müssen, kann gleich stumm bleiben: Im besten Fall hört ihm niemand zu, im schlimmsten Fall fühlt sich jemand auf die Füße getreten und dann regen sich wieder alle auf. Vom Absaufen der Wahrheit. weiterlesen

Was tun wir hier?

Auf breiter Front wird die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft in Frage gestellt. Philosophen, Soziologen, Klimaforscher, Naturwissenschaftler – alle sind sich seit langem einig: so kann es nicht weitergehen. Man hört ihnen zu und – macht weiter.

Was tut ein Autofahrer, der sich verfahren hat? Er hält an und sucht nach dem richtigen Weg. Doch die Gesellschaft tritt aufs Gaspedal und hofft, doch noch irgendwie ans Ziel zu gelangen. Die erste Frage auf der Suche nach dem Weg wäre doch: Wie soll eigentlich unsere Zukunft aussehen?

wir waren

ZukunftsAspekte will versuchen, den zukunftsbestimmenden Dingen auf den Grund zu gehen. Dieser Blog will Vordenkern Platz bieten, aber auch denen, die bereits Zukunft praktizieren.

Sie möchten mitmachen? Wunderbarhier geht’s los.

Es folgen die Beiträge, nach Erscheinungsdatum geordnet. Ganz unten können Sie nach Kategorien und Schlagworten filtern.

Am Anfang war die Antwort 

Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn

… und begann so mit der unseligen Methode, die Antwort zu geben, bevor die Fragen gestellt sind. Vielleicht wäre ja ein Mensch – nicht nach seinem Bilde – besser für die Welt gewesen. Aber danach fragte er nicht; die Antwort stand schon fest: etwas Besseres als mich kann es nicht geben. Und so ging wohl auch besagte Methode auf den Menschen über.

Am Anfang war die Antwort  weiterlesen

Bundespräsident bittet um ein Wunder

Der Bundespräsident hat eine wichtige Rede gehalten. Er hat darin alles benannt, was im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von Bedeutung ist. Aber zu spät – zu spät für die Politik und zu spät für die Gesellschaft.

»Unsere Aufnahmekapazität ist begrenzt, auch wenn noch nicht ausgehandelt ist, wo diese Grenzen liegen. Aus all dem folgt für mich: Wir brauchen gründliche Analysen und eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir eine humane Aufnahmepolitik und eine gesellschaftliche Aufnahmebereitschaft auch in Zukunft sichern können. […] In dieser Situation habe ich eine dringende Bitte: dass sich die Besorgten und die Begeisterten nicht gegenseitig denunzieren und bekämpfen, sondern sich im konstruktiven Dialog begegnen.«

Wann hätte es in den letzten vier Jahrzehnten in Deutschland je einen solchen Dialog gegeben? Wie soll der aussehen, wie funktionieren? Gewiss nicht per facebook-post bei „Hart aber Fair“. Weder die Erfahrungen noch das Handwerkszeug sind vorhanden. Gewiss, wir haben einen Jürgen Habermas, den Mitbegründer der Diskursethik, und in seinem Gefolge tausende ausgebildeter Philosophen und Soziologen, die theoretisch wüssten, wie es geht. Aber in praxi? Für einen gesamtgesellschaftlichen Dialog wären ja nicht einmal begriffliche Voraussetzungen geschaffen, denn selbst über so substanzielle Termini wie Toleranz oder Kompromiss herrscht keinerlei Klarheit, wie die diffusen Debatten der letzten Monate zeigen. Die mit der Hinwendung zum Neoliberalismus vollzogene Abkehr des Staates vom ethisch-moralischen Diskurs hat unwiederbringlich verlorengehen lassen, was jetzt als Grundlage eines konstruktiven Dialogs nötig wäre. Denn ohne ein gemeinsames Werteverständnis kann man sich weder auf den Verhandlungsrahmen noch auf die Ziele eines solchen Dialogs verständigen.

Die Wiederbelebung der Wertedebatte würde vermutlich ebenso lange dauern wie ihr Niedergang. Insofern fürchte ich, dass dieser Appell des Bundespräsidenten der Bitte um ein Wunder gleichkommt.